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Liebe Schwestern und Brüder,

 

 

Geheimnis des Glaubens – Gedanken zum Fronleichnamsfest

 

Eines Tages, die Sonne scheint, er ist guter Laune, beschließt er, zum nahegelegenen See zu fahren und zu baden. Er macht einen Kopfsprung in den See, er schlägt auf einem Stein auf, andere retten ihn und bringen ihn ins Krankenhaus. Seitdem ist er querschnittsgelähmt. Er kannte nun die Tücken des Lebens. Ihm brauchte man nichts mehr vorzumachen. Alles war für ihn grau geworden. Keine Aussicht mehr, keine Erwartungen mehr, keine Wünsche mehr.

Jeden Tag sprach der Krankenhauspfarrer mit ihm ein Blatt durch: was habe ich verloren, was ist mir geblieben.

Wochenlang schrieb er nur etwas auf die linke Seite: Ich habe meine Freude verloren, ich habe meine Zukunft verloren, ich habe mein Leben verloren.

Nach Wochen schrieb er auf die andere Seite: Ich kenne die Vögel in meinem Garten, jeden mit Namen.

Zu dem Grau seiner Empfindungen war plötzlich eine neue Farbe gekommen: Alles war so geblieben, aber nun konnte er wieder anders sehen.

Es gab wieder etwas zu bestaunen, zu bewundern, zu entdecken.

Winziges, Unscheinbares nur, aber der Anfang einer neuen Hoffnung. Er konnte wieder staunen wie ein Kind: mit großen Augen schauend, lauschend, neugierig, froh; eine Blume, ein Tier, ein Mensch. 

Ich weiß nicht, ob wir als Erwachsene noch staunen, ich weiß nicht, ob wir noch Geheimnisse kennen, Ungeklärtes, Ungewusstes?

Es gibt kaum noch weiße Flecken auf der Landkarte, immer weniger Gebiete, die noch nicht erforscht und bekannt sind. Der Mensch besteht aus 68% Wasser, 20% Kohlenstoff, 6% Sauerstoff, 2% Stickstoff, 4% Aschenbestandteilen.

Das macht zusammen, je nach Marktlage 5 bis 10 Euro. 

Ist das der Mensch? Bin ich das?

Es ist uns klar, dass man den Menschen so nicht erfassen kann.

Was ist der Mensch? Eine Frage, die wir nie ganz beantworten können. Er ist ein Geheimnis, wir sind uns manchmal selber ein Geheimnis.

Oder die Liebe: Es bleibt ungeklärt, warum jetzt gerade diese zwei sich lieben. Sie sprechen von einem Wunder.

Oder das Brot. Ich meine das Brot, das wir am Fronleichnamsfest verehren: „Gottheit tief verborgen, betend nah ich dir“, singt Thomas von Aquin.

Das Brot: Man kann seine Zusammensetzung nennen: Mehl und Wasser und einige andere Zutaten. Es hat eine bestimmte Form und einen bestimmten Geschmack. Aber damit ist nicht alles über dieses Brot gesagt. 

Geheimnis des Glaubens: Das ist mein Leib, das ist mein Blut. Wissenschaftler können es untersuchen, und es ist und bleibt Brot. Doch das tastet unseren Glauben nicht an.

Wenn ein Kind einen Teddybären begreifen will, wissen will, was drin ist, dann nimmt es ihn auseinander, untersucht ihn. Dann sieht es, vielleicht enttäuscht, dass Holzwolle in ihm steckt. Und der Teddy ist zerstört, kein Teddy mehr. 

Fronleichnam bedeutet auch: Anbetung, Danksagung, ein Geheimnis feiern und dieses Geheimnis zu verehren.

Anbeten – das heißt: Schweigen können – hören. Wer der andere ist, erfahre ich nicht durch mein Reden, sondern durch mein Zuhören.

Wer Gott ist, erfahre ich durch mein Hören und Warten und Schweigen.

Anbeten heißt auch: Offene Hände haben. Mit Händen kann ich zerstören, auseinandernehmen, untersuchen, aber auch empfangen, aufnehmen, mich beschenken lassen, fragen: nicht: Wer schuldet mir etwas? Sondern. Wem verdanke ich etwas?

Anbeten heißt auch, sich auf den Weg machen, sich bemühen, sich darauf einlassen.

An Fronleichnam machen wir uns auf den Weg und feiern das Geheimnis unseres Glaubens:

Dass Jesus von Nazaret der Sohn Gottes war; dass seine Botschaft die Welt verändern kann; dass dieses Brot, das wir brechen, das Brot des Lebens, unseres Lebens ist; dass Er in unserer Mitte ist.

Lauter Geheimnisse. Soll das heißen: Nicht fragen, sondern glauben? Nein, wir sollen so weit forschen und suchen, wie wir können.

Aber Erfahrungen machen wir nur, wenn wir auch sagen können: Ich bete an, ich glaube.

 

Von Herzen erbitte ich für Sie Gottes reichen Segen.

 

 

 

 

 

 

 

Ihr Pastor Hans-Kurt Trapp

 

 

Ihr Pfarrbüro-Team

 

 

 


 

 

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